NERIAGE - PORZELLAN

ANGELA BURKHARDT-GUALLINI

NERIAGE - eine Technik mit unendlichen Variationsmöglichkeiten

Dr. Brigitta Neumeister-Taroni, Auszug aus einem Artikel der Zeitschrift "Neue Keramik"


Die Schweizerin mit italienischen Wurzeln - die sie bis heute prägen - ist eine von nur wenigen, die sich in der westlichen Hemisphäre ganz der aus Japan stammenden uralten Neriage-Technik widmen und dabei zu einer eigenständigen Form auf höchstem Niveau gefunden haben. Sie wurde dafür mit zahlreichen Auszeichnungen belohnt, unter vielen anderen 2005 anlässlich des 7th International Ceramics Competition Mino in Japan mit dem Bronze Award. Eine Begegnung mit Mitsuya Niiyama, dem japanischen Maler, Kalligraphen, Keramiker und Dichter, im Jahr 1984 hat ihr den entscheidenden Impuls ausgelöst. Er zeigte ihr ein kleines, gemustertes Keramikplättchen, und es durchfuhr sie wie eine lange ersehnte Erkenntnis. Zu dem Zeitpunkt führte sie bereits seit einigen Jahren ein eigenes Atelier, hatte sich den Weg autodidaktisch bis hin zur Professionalität erarbeitet. Nun kam dieses gewisse Etwas hinzu, das den Unterschied zwischen Beruf und Berufung ausmacht. Nicht allein die Neriage-Technik mit ihren unendlichen Variationsmöglichkeiten zog sie auf Anhieb in ihren Bann, sondern auch die Meisterschaft dieses bescheidenen Japaners, der wie sie nie einen Lehrmeister hatte, ausser der Natur. Das faszinierte sie - und stärkte ihr Selbst-bewusstsein.


Neriage Ceramics

Neriage heißt eine japanische Technik, bei der verschieden gefärbte Porzellanmassen zu Schichten gewalzt, gegeneinander mit Schlicker verpinselt, mehrmals geschnitten, erneut zusammengesetzt und schließlich gebrannt werden. Sie ist ebenso vielfältig wie komplex im Ausdruck. Angela Burkhardt-Guallini hat aus diesem breiten Spektrum eine eigenständige, persönliche Linie bis zur Perfektion entwickelt und folgt ihrem Weg konsequent. Wesentliche Merkmale sind klare, geometrische Muster, eine Beschränkung in den Farben, moderne, zeitlose Formen sowie eine warme, schmiegsame Oberfläche. Die bewusst erarbeitete Reduktion erlaubt ihr die volle Konzentration auf das Wesentliche.

Bei der Neriage-Keramik wird nichts aufgemalt, Ober- und Unterseite der Schale sind also gleich. Sie arbeitet ausschließlich mit feinstem Porzellan aus Seto, Japan. Den Porzellanton färbt Angela Burkhardt-Guallini mit verschiedenen Farbkörpern selbst ein.


Nach dem Vorbereiten, Gestalten und Trocknen brennt sie ihre Arbeiten, dies mehrmals, bis zum Schlussbrand mit 1250 Grad. Dazwischen schleift sie mit immer feineren Mitteln, zuletzt ist es nurmehr ein sanftes Polieren mit Diamantschleifpads.

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